In einer Gesellschaft, wo die Einen die ganze Zeit damit beschäftigt sind für ihre Zukunft zu planen und die Anderen sich an die Vergangenheit erinnern, lebe ich im hier und jetzt. Egal ob ich zu hause produziere oder auf einer Party auflege. Dann bin ich der Musik ganz nahe! Dieses Gefühl möchte ich beim Auflegen unbedingt auch auf das Publikum übertragen.

1990 bis 1993 spielte ich vor allem für die feierwütigen Raver, die Abfahrer und die Aufbleiber. Wenn die andere DJs Sonntag morgens nach Hause gingen und sich am Mittagstisch den Sonntagsbraten schmecken liessen, servierte ich bis Montag morgen weiter "schwere Kost". Erst in der Wartburg Wiesbaden und später Nachts im BIG Rüsselsheim, wo das Publikum wie willenlose Zombies zum 4/4 Takt zuckten. Wenn man dann zur DJ-Kanzel hochschaute, sah man mich mit ausgemergeltem Gesicht. Aber:Glücklich und Zufrieden. Drei Tage dauerten die Partys in der Regel. Und alle kamen: Technofans, Rocker, Türsteher, Barfrauen, DJs, VJs, Freaks von der Medikamentenausgabe, Zuhälter, Diskothekeninhaber...

Eine klassenlose Feiergesellschaft. Wie eine kleine Schafherde.

1994 bis 1998 wurde es dann etwas ruhiger. Man feierte nur noch auf kleinen, aber feinen Partys an ständig wechselnden Locations. Doch dann fing ein weiterer Ast des "Technobaumes" an zu blühen und zu wachsen. Auf einmal gab es offizielle GOA-Party´s im Freien. Die Zeitungen schrieben von einer neuen "Jugendkultur". Und jeder konnte wieder Feiern ohne Ende. Mit kleinen Einschränkungen wie der nachfolgende Polizeireport betreffend einer meiner ersten GOA-Partys zeigt:

Überschrift: 20 000 Watt starken Verstärker beschlagnahmt
300 bis 400 Techno-Fans haben sich nach Polizeiangaben in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu einer vom Ortsbürgermeister nicht genehmigten Party auf einen Privatgrundstück versammelt. Ihre Lieblingsmusik erscholl dabei aus einer 20 000 Watt zählenden Verstärkeranlage. Diese Geräuschkulisse war bis nach Dannenfels und auf dem Weierhof zu hören. Nach Anrufen wegen massiver Ruhestörung rückte die Polizei von Mitternacht bis etwa 4.30 Uhr wiederholt aus. Die dann folgende Nachtruhe war nur von kurzer Dauer: ab 7 Uhr wurde wieder Techno gespielt. Am frühen Sonntagmorgen rückten dann insgesamt 31 Polizeibeamte aus und stellten die Anlage sicher. Um sie zur Inspektion transportieren zu können, musste eigens ein LKW anfahren. Der Veranstalter der Party kann die Anlage heute abholen.

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Zum Glück ging die Party bereits am Freitag los, in der Zeit von 4.30 - 7 Uhr wurde nur etwas leiser gedreht und am Sonntag wurde nach der Beschlagnahme der Main-Floor-PA mit der Anlage der Chill-Out-Area mit immerhin 2500 Watt bis in die Abendstunden weitergefeiert

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