Mein Ratgeber für Menschen mit missbilligten Hobbys.

Folge 1

“Vom richtigen Popeln”

Wer in der Öffentlichkeit popelt, stösst schnell auf Kritik. Vor allem beim Essen und im Vorstellungsgespräch gilt Popeln als verpönt. Gehörst du auch zu den Menschen, die ihr Hobby nur verschämt betreiben, weil die „Popelitical Correctness“ (PC) es so will? Am Beispiel Automobil sag ich euch, wie man sich ans reglementierte Umfeld anpassen kann ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen.

    Regel 1: Nie an roten Ampeln popeln! Hier seid ihr im Sichtfeld vieler anti-popelnd eingestellter Autofahrer oder solchen, die so tun als ob (>Dunkelziffer). Auch wartende Fussgänger bringen einem oft kein Verständnis entgegen. Die Lösung: tu es beim Fahren! Einsame Landstrasse, dichter Smog (bzw. blickdichte Außenluftsättigung mit alternativer Duftnote) – und schon hast du eine ganze Hand frei zum genüsslichen Popeln (>Tennisarm, >Automatikgetriebe).         Head_Banger

    Regel 2: Popel mit allen Fingern, nicht nur mit dem mittleren! Hast du nämlich gerade die restlichen eingerollt, empfindet der Gegenverkehr das leicht als Beleidigung (will sagen als didaktisch artikulierte Alternativmeinung). Zumal er, der Gegenverkehr, stets drei kaditreue Zeugen mitführt, und die schwören Stein und Bein auf ihren Stinkefinger (vielmehr auf ihr nonverbales Werturteil unter Verweis auf Sexualkontakte)

    Regel 3: Benutzt auf jeden Fall die Popelbox. Alle führenden Autohersteller statten neue Modell serienmässig damit aus und nennen sie Aschenbecher. Die Box ist je nach Wagenklassenunterschiedlich gross und simpel zu leeren. ACHTUNG: Solltest du in Bitterfeld, Frankfurt-Höchst oder der Elbmarsch wohnen, beachte bitte folgendes: dort ist der Inhalt deiner Popelbox „Sondermüll“ (ökologisch herausforderndes Gebrauchsgut) und entsprechend zu entsorgen. Wohnst du anderswo, darfst du es kompostieren oder den Ertrag unters Hundefutter mischen (>Tierversuche).

    Regel 4: Fahre auf Autobahnen und Schnellstrassen immer links! Auf der „Benzspur“ (Fahrbahn für Hubraum-Bevorteilte) lässt es sich genussvoll popeln, weil dir von links niemand auf die Nase starren kann. Allerdings solltest du keinen trabbi o.ä. fahren. Denn Lichthuper und Stoßstangenknutscher (>Selbstjustiz) könne auch dem Angepopelsten die Überholspur vermiesen. – zumal die dann dort weiterpopeln, wo du aufgeben musstest.        äffchen

    Regel 5: Dosier richtig! Im Übermass ist alles schädlich, auch Dauerpopeln. Ein Geruchssensor mit hohem Heilungspotenzial – früher: wunde Nase – könnte dich in Kokainverdacht bringen. Deshalb gilt: Nur wer auch mal verzichten kann, vermag die hemmungslose Hingabe ganz auszukosten.

    Regel 6: Nimm nie das Wort Popeln in den Mund.

    Korrekt ist:

    Erschliessung eines Bioclaims im Innenbereich der Gesichtsmitte.